Wissenswertes zum Dolmetschen

Was versteht man unter Dolmetschen?

Unter Dolmetschen versteht man die gleichzeitige oder zeitversetzte mündliche Übertragung eines gesprochenen Texts von einer Ausgangssprache in die Zielsprache.

Die häufigste Art des Dolmetschens, bei der keine Konferenztechnik wie eine Dolmetschkabine notwendig ist, ist das Konsekutivdolmetschen. Dabei übernimmt der Dolmetscher ein Sprachenpaar und ermöglicht so eine zeitversetzte Kommunikation zwischen zwei Gesprächspartnern.

Die Kommunikation findet dabei meist persönlich, in einer Telefon- oder Videokonferenz statt.

Was müssen Sie als Auftraggeber vor dem Einsatz des Dolmetschers beachten?

Wenn Sie einen Dolmetscher engagieren, erhalten Sie einen Partner, der Ihnen bei Ihrer Kommunikation und beim Erreichen Ihres Ziels hilft. Damit dies reibungslos klappt, gilt es für Sie als Auftraggeber einige Dinge zu beachten, damit Sie zu Ihrem gewünschten Ergebnis kommen.

Vor dem Einsatz

  • Bedenken Sie: Die Gesprächszeit mit einem Konsekutivdolmetscher verdoppelt sich mindestens! Planen Sie genügend Zeit für das Gespräch ein!
  • Wie ist der Rahmen des Gesprächs (Anzahl der Teilnehmer, Runder Tisch/Konferenz, formelle/informelle Gesprächsrunde)? Ist Flüsterdolmetschen für ein, zwei Personen sinnvoll?
  • Für einen längerfristigen Einsatz kann es sinnvoll sein, zwei Dolmetscher zu engagieren, die sich gegenseitig alle 30-45 Minuten abwechseln. Dasselbe gilt für Einsätze mit mehr als zwei Personen, für die gedolmetscht werden soll.
  • Machen Sie sich mit Ihrem Dolmetscher so gut wie möglich vor dem Dolmetscheinsatz bekannt. Fragen Sie ihn nach seinem persönlichen und beruflichen Werdegang. Vergessen Sie dabei nicht, auch etwas von sich zu erzählen. Machen Sie sich einen Eindruck von ihm und geben Sie ihm die Gelegenheit, sich von Ihnen einen Eindruck zu machen. Damit spornen Sie den Dolmetscher an, sich für Ihr Anliegen einzusetzen.
  • Informieren Sie den Dolmetscher vor dem Einsatz über Zweck und Ziel des Gesprächs und wie Sie Ihr Ziel zu erreichen gedenken.
  • Besprechen Sie vor dem Einsatz, welche Terminologie, Fachbegriffe und Abkürzungen Sie voraussichtlich benutzen werden. Nutzen Sie beruflich bestimmte zweisprachige Wörterbücher, die Sie ins Gespräch mitnehmen oder dafür stellen könnten?
  • Stellen Sie dem Dolmetscher für seine Vorbereitung rechtzeitig im Voraus wichtiges Vorbereitungsmaterial zur Verfügung (PowerPoint-Folien, Teilnehmer-/Namenslisten, Glossare, Berichte, Redetexte, Paralleltexte, Fachterminologie, Links zu nützlichen Webseiten, usw.)!
  • Bereiten Sie Ihren Dolmetscher sorgfältig auf das zu führende Gespräch vor. Warnen Sie ihn vor, wenn Sie beabsichtigen, delikate oder auch provokante Fragen zu stellen. Legen Sie sich gemeinsam darauf fest, wie Ihre Gesprächsstrategie aussehen soll und wie an die schwierigsten Fragen herangegangen werden soll.
  • Gehen Sie vor dem Gespräch gemeinsam den Fragenkatalog durch. Sie werden sicher im Gespräch die eine oder andere Frage stellen, die nicht in Ihrem Fragenkatalog enthalten ist. So sind aber zumindest die grundlegenden Fragen und die Richtung bekannt und Sie bewahren Ihren Dolmetscher vor Überraschungen, die auch gewaltig nach hinten losgehen könnten.
  • Sie und Ihr Gesprächspartner stammen aus unterschiedlichen Kulturkreisen. Behalten Sie das immer im Hinterkopf! Fragen Sie Ihren Dolmetscher, ob es “kulturelle Tabus” gibt, die man besser nicht anspricht und die einer erfolgreichen Kommunikation im Weg stehen könnten. Dinge wie Alter, Geschlecht, die Stellung in der gesellschaftlichen oder geschäftlichen Hierarchie, aber auch regionale Unterschiede können Fettnäpfchen darstellen, in die man besser nicht treten sollte.

Während des Gesprächs

  • Beginnen Sie das Gespräch mit einer kleinen Einleitung. Erklären Sie Ihrem Gesprächspartner die Rolle des Dolmetschers und fragen Sie nach, ob Ihr Gesprächspartner eventuell Fragen dazu hat.
  • Ganz wichtig: Halten Sie mehr Augenkontakt mit Ihrem Gesprächspartner und weniger mit Ihrem Dolmetscher, denn während des Gesprächs ist Ihr Dolmetscher nicht Ihr Gesprächspartner! Auch wenn Ihr Gesprächspartner Sie kaum verstehen wird, so wird er vermehrt auf Ihre Körpersprache, Ihren Gesichtsausdruck und Ihre Gesten achten.
  • Zeigen Sie Gesten der Offenheit. Ein Lächeln ist universal verständlich und wirkt im richtigen Moment oft Wunder!
  • Sprechen Sie klar und langsam. Ihr Dolmetscher muss sie gut hören und verstehen.
  • Vielleicht bekommt Ihr Gesprächspartner dabei auch den groben Sinn des Gesagten mit.
  • Führen Sie einen logischen Gedanken in einigen wenigen Sätzen aus und machen eine Pause, damit Ihr Dolmetscher das Gesagte in der Zielsprache wiedergeben kann.
  • Vermeiden Sie lange, komplexe, umständlich und verklausuliert formulierte Sätze! Sie können zu Fehlern, Missverständnissen und damit verbunden zu einem negativen Ausgang des Gesprächs führen. Das möchten nicht nur Sie und Ihr Gesprächspartner vermeiden, sondern auch Ihr Dolmetscher.
  • Vermeiden Sie soweit wie möglich Fachbegriffe oder Fachumgangssprache, die dem Dolmetscher nicht geläufig sein könnten oder die zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Verdolmetschung führen könnten.
  • Sprechen Sie nicht gleichzeitig mit dem Gesprächspartner und/oder dem Dolmetscher. Lassen Sie Ihrem Gesprächspartner und dem Dolmetscher die nötige Sprechzeit.
  • Für gewöhnlich wird ein Dolmetscher nie in die Kommunikation eingreifen. Allerdings kann es vorkommen, dass er nicht alles, was gesagt wird, versteht. Seien Sie nicht irritiert, wenn er von sich aus Ihnen oder Ihrem Gesprächspartner Verständnisfragen stellt. Dies dient einer genauen und somit erfolgreichen Kommunikation. Schließlich sitzen zwei Fachleute mit entsprechenden Fachkenntnissen vor ihm.
  • Wenn Sie das Gefühl haben, der Dolmetscher hat einen Fehler gemacht oder etwas nicht wie beabsichtigt gedolmetscht, lassen Sie das sich, Ihrem Gesprächspartner und dem Dolmetscher während des Gesprächs nicht anmerken. Es kann nämlich gut sein, dass dem Dolmetscher “in der Hitze des Gefechts” ein passender Begriff nicht einfällt und er vielleicht paraphrasiert, was vielleicht länger dauert, den Sinn Ihrer Aussage jedoch keinesfalls verändert. Wenn Sie sichergehen möchten, stellen Sie Ihre Frage noch einmal und formulieren Sie sie dabei anders. Nach Abschluss des Gesprächs können Sie immer noch eine konstruktive Nachbesprechung mit Ihrem Dolmetscher unter vier Augen durchführen und ihn dazu Stellung nehmen lassen.
  • Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie im Gespräch nicht vorwärts kommen, scheuen Sie sich nicht, Ihrem Gesprächspartner eine Pause vorzuschlagen.
  • Bedanken Sie sich bei Ihrem Gesprächspartner für das Gespräch und sagen Sie ihm zum Abschied einige nette Worte.

Nach dem Einsatz

  • Da das Gespräch gerade erst vorbei und die Erinnerung daran noch frisch ist, sollten Sie Ihre Eindrücke mit dem Dolmetscher teilen. Haben Sie das Gefühl, das noch etwas präzisiert werden sollte? Fragen Sie auch den Dolmetscher, bei welchen Passagen, Fragen oder Antworten er möglicherweise Schwierigkeiten hatte.
  • Solange die Eindrücke frisch sind, ist die beste Zeit, eine konstruktive Manöverkritik durchzuführen. Geben Sie Ihrem Dolmetscher unbedingt Rückmeldung. Was hat Ihnen gut gefallen, was lief nicht so gut? Nur so kann bei zukünftiger Zusammenarbeit das vermieden werden, was weniger gut lief.
  • Dolmetschen ist Schwerstarbeit für das Gehirn und entsprechend kräftezehrend. Zeigen Sie dem Dolmetscher Ihre Wertschätzung und bedanken Sie sich.